Parkinson Datenbank
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Parkinson-Medikamente

Die Behandlung der Parkinson-Krankheit stützt sich auf eine differenzierte, individuell angepasste Pharmakotherapie. Da es bislang keine krankheitsmodifizierenden Wirkstoffe gibt, zielt die medikamentöse Therapie auf den Ausgleich des dopaminergen Defizits sowie die Kontrolle motorischer und nicht-motorischer Symptome. Für Fachärzte, Neurologen und Allgemeinmediziner ist eine präzise Kenntnis der verfügbaren Wirkstoffklassen, ihrer Mechanismen und Wechselwirkungen unverzichtbar.

Levodopa (L-Dopa)

Levodopa ist nach wie vor der wirksamste Arzneistoff in der Parkinson-Therapie und gilt als Goldstandard. Als Vorstufe des Dopamins passiert es die Blut-Hirn-Schranke und wird dort zu Dopamin decarboxyliert. Zur Vermeidung peripherer Nebenwirkungen wie Übelkeit und Hypotonie wird Levodopa stets in Kombination mit einem Decarboxylase-Hemmer verabreicht – in Deutschland überwiegend als Levodopa/Benserazid (z. B. Madopar®) oder Levodopa/Carbidopa (z. B. Nacom®).

Bei Langzeittherapie entstehen häufig motorische Komplikationen: Wirkungsfluktuationen (On-Off-Phänomene) und Dyskinesien. Aus diesem Grund wird bei Patienten unter 70 Jahren häufig eine initiale Monotherapie mit Dopaminagonisten oder MAO-B-Hemmern bevorzugt, um den Beginn der Levodopa-Therapie hinauszuzögern.

Retardformulierungen und Infusionstherapien

Für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung stehen retardierte Formulierungen sowie Infusionstherapien zur Verfügung, darunter die intestinale Levodopa-Gel-Infusion (Duodopa®) über eine perkutane Jejunalsonde.

Dopaminagonisten

Dopaminagonisten stimulieren direkt die postsynaptischen Dopaminrezeptoren (vorwiegend D2/D3) und können sowohl als Monotherapie in frühen Stadien als auch als Ergänzung zur Levodopa-Therapie eingesetzt werden.

Nicht-Ergot-Dopaminagonisten (bevorzugte Substanzklasse)

Wirkstoff Applikation Beispielpräparat
Pramipexol oral / retardiert Sifrol®
Ropinirol oral / retardiert Requip®
Rotigotin transdermal (Pflaster) Neupro®
Apomorphin subkutan (Pumpe / Pen) APO-go®

Nicht-Ergot-Agonisten sind wegen ihres günstigeren Sicherheitsprofils die bevorzugte Wahl. Typische Nebenwirkungen umfassen Impulskontrollstörungen, Tagesmüdigkeit, Übelkeit sowie orthostatische Hypotonie – Aspekte, die eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfordern.

Ergot-Dopaminagonisten

Bromocriptin, Cabergolin und Lisurid sind aufgrund des Risikos fibrotischer Organreaktionen (Herzklappen-, Pleura- und Retroperitonealfibrose) in der Langzeittherapie weitgehend verlassen worden und spielen in aktuellen Leitlinien kaum noch eine Rolle.

MAO-B-Hemmer

Monoaminoxidase-B-Hemmer verlangsamen den enzymatischen Abbau von Dopamin im Striatum und verlängern so dessen Wirkdauer. Sie können als Monotherapie in frühen Stadien oder additiv zur Levodopa-Therapie bei Wirkungsfluktuationen eingesetzt werden.

Wirkstoff Besonderheit
Selegilin Älteste Substanz; wird teils zu Amphetaminderivaten metabolisiert
Rasagilin Irreversibler, selektiver MAO-B-Hemmer; keine Amphetaminmetaboliten
Safinamid Reversibler MAO-B-Hemmer; zusätzlich glutamaterge Wirkkomponente

Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wertet MAO-B-Hemmer als valide Erstlinienoption gleichberechtigt neben Levodopa und Dopaminagonisten.

COMT-Hemmer

Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer reduzieren den peripheren und zentralen Abbau von Levodopa und verlängern dessen Wirkdauer. Sie werden ausschließlich additiv zur Levodopa-Therapie eingesetzt.

  • Entacapon (z. B. Comtess®): wirkt peripher, wird mit jeder Levodopa-Dosis eingenommen; auch als Dreifachkombination mit Levodopa/Carbidopa (Stalevo®) verfügbar
  • Opicapon (Ongentys®): einmal täglich, zentraler und peripherer Wirkmechanismus

Glutamatantagonisten (NMDA-Antagonisten)

Amantadin wurde ursprünglich als Antivirale entwickelt und wirkt als NMDA-Rezeptorantagonist. Es reduziert nachweislich Levodopa-induzierte Dyskinesien und wird daher besonders im fortgeschrittenen Stadium eingesetzt. Die intravenöse Formulierung (z. B. PK-Merz® Infusion) eignet sich für akinetische Krisen.

Anticholinergika

Biperiden und Bornaprin beeinflussen das cholinerge System und lindern vor allem Tremor und Rigidität. Aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils – insbesondere kognitiver Beeinträchtigungen bei älteren Patienten – sind Anticholinergika heute nur noch selektiv indiziert und sollten bei Patienten über 70 Jahren weitgehend vermieden werden.

Therapieauswahl und individuelle Faktoren

Die Wahl des Initialtherapeutikums richtet sich nach Alter, Kognition, Begleiterkrankungen und dem individuellen Symptomprofil des Patienten. Detaillierte Wirkstofffachinformationen und zugelassene Indikationen sind über die Gelbe Liste und die Fachinformationen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) abrufbar. Für die klinische Praxis bietet die AWMF-Leitlinie unter awmf.org eine evidenzbasierte Orientierung zur Pharmakotherapie des idiopathischen Parkinson-Syndroms.